Englisch ab 2, Geige ab 3? – Warum „Spielen“ oftmals die bessere Freizeitgestaltung für Kleinkinder ist!

In der neuen Serie möchte ich mich dem kindlichen Spiel widmen.

Man möchte seinen Kindern natürlich die beste Förderung zukommen lassen und sie möglichst gut auf das Leben vorbereiten. Viele Eltern versuchen ihre Kinder schon im Kleinkindalter bestmöglich zu fördern und melden sie zu einer Vielzahl von Kursen an. Schon Kindergartenkinder haben einen vollen Terminplan.

Es heißt, man muss Zeitfenster nutzen und gezielt fördern, dass man ja kein Zeitfenster verpasst.

Natürlich ist Förderung wichtig, doch viele Experten weisen darauf hin, dass es ebenso wichtig ist den Kindern genug Zeit zum Spielen zu lassen. Zum Spielen ohne Anleitung. Also kein Kurs, sondern einfach Zeit.

Versteht mich nicht falsch, ein Kurs kann Kindern viel Freude machen und natürlich lernen sie dabei auch. Aber ich finde es fatal wenn 4-jährige Kinder jeden Nachmittag einen Fixpunkt in Form eines angeleiteten Kurses haben. Kindern fehlt dadurch die Zeit sich spielerisch mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen. Es fehlt ihnen Zeit zum Nachdenken, zum Ausprobieren, zum Erfinden, um selbst kreativ zu sein, ….

 

Kinder haben die wichtigsten Dinge die sie zum Lernen (durch Spielen) benötigen bereits im Gepäck: Bewegungsdrang, Nachahmungstrieb und Entdeckerfreude.

Bewegungsdrang bedeutet, dass Kinder mit dem ganzen Körper und mit allen Sinnen lernen.

Der Nachahmungstrieb veranlasst sie zum Beobachten und zum Ausprobieren und Nachahmen.

Die Entdeckerfreude oder auch Neugier hilft Kindern sich intensiv mit einer Sache zu beschäftigen weil sie sich dafür interessieren.

 

Kinder spielen von Anfang an

Bereits Säuglinge „spielen“ mit uns, zum Beispiel wenn sie uns anlächeln und wir zurücklächeln. Etwas später probieren sie aus was passiert wenn man wegsieht und kurz darauf wieder hinsieht.

Dann folgt das beliebte Spiel „Guck-guck, da-da“ bei dem sich das Kind die Augen zuhält und meint es sei nicht zu sehen.

Diese ersten Kommunikationsspiele, dieses „Intensiv-Wahrgenommenwerden“ ist sehr wichtig für die kindliche Entwicklung.

Je mobiler Kinder werden umso mehr möchten sie auch „Mithelfen“. Dieses Mithelfen ist für sie Spielen. Eine Waschmaschine oder einen Wäschekorb ausräumen, mit einem Tuch den Spiegel abwischen – so wie Mama es macht. Und wenn Mutter oder Vater den fleißigen Helfer, oder die fleißige Helferin dann auch noch loben oder sprachlich miteinbeziehen, z.B. „Sehr sauber wie du den Spiegel abgewischt hast“, dann bestärkt das Kind und es merkt, „Ja, das mache ich gut.“

Manche Dinge dauern durch die „Mithilfe“ von Kindern zwar länger, aber man schafft dadurch tolle Spielsituationen, die gleichzeitig Lernsituationen sind. Denn darauf muss hingewiesen werden:

Spielen ist Lernen! Kinder lernen durch das Spiel!

 

Oftmals müssen wir Eltern uns auch selbst zurücknehmen um Spielsituationen zuzulassen. Beispielsweise am Nachhauseweg, wenn das Kind die Baustelle oder die schöne Blumenwiese betrachten will oder wenn es verschiedene Materialien aufhebt und diese in ein spontanes Spiel einbaut. Nicht immer haben wir dafür Zeit und Lust, aber immer einmal wieder sollten wir diese Situationen zulassen und nicht immer gleich weiterdrängen. Es muss auch Zeit zum Träumen und Trödeln sein – denn das gibt den Kindern wieder Ideen und Inputs für ihre eignen Spielsituationen (z.B. wenn das Kind das Gesehene auf der Baustelle mit den eigenen Fahrzeugen nachspielt).

 

Kinder sollen auch alleine spielen

Kinder müssen nicht immer „bespaßt und entertaint“ werden. Schon kleine Kinder können sich intensiv allein mit Dingen beschäftigen – wenn man sie lässt. Wir müssen ihnen nicht immer vorzeigen wie es „richtig“ geht, wir können sie auch einfach forschen und ausprobieren lassen. Wenn das Kind spielt, kann ich als Mutter auch etwas anderes daneben tun – so erkennt das Kind „Ich tue etwas und Mama macht auch etwas – jeder für sich.“

Bei schon etwas älteren Kindern soll man es auch akzeptieren wenn sie alleine in ihrem Bereich oder ihrem Zimmer spielen möchten. Wenn sie sich einen Spielpartner wünschen, dann sagen sie das auch, aber oftmals spielen sie sehr intensiv so lange man sie nicht stört. Auch wenn es manchmal gut gemeint ist – weil man so eine tolle Idee hat – das kindliche Spiel zu unterbrechen ist in den seltensten Fällen eine gute Idee und führt meist dazu, dass das Kind das Spiel abbricht.

 

Nächste Woche möchte ich euch Näheres über die verschiedenen Spielphasen in verschiedenen Altersstufen erzählen, also „wann spielt ein Kind was“.

 

Wie geht es euch mit diesem Thema?

  • Was spielen eure Kinder am liebsten?
  • Wie haltet ihr es mit Kursen und freier Spielzeit?
  • Spielen eure Kinder gerne alleine?

Ich würde mich sehr über eure Kommentare zu diesem Thema freuen.

 

Bis dahin wünsche ich euch und euren Kindern viel Freude beim Spielen!

 

 

Eure

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7 Kommentare

2 Pings

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  1. Wir haben unseren Kinder schon früh den Zugang zu Kursen ermöglicht. Die ersten Kurse, wie Babyschwimmen oder Zwergerlturnen haben wir natürlich zusammen gemacht. Später sind sie dann tanzen und schwimmen gegangen. Es ist meinem Mann und mir einfach wichtig, dass unsere Kinder sich ausrechend bewegen. Aber der Spaß hat natürlich immer oberste Priorität. Und Zeit zum freien Spielen und Freunde treffen muss natürlich auch noch sein.
    Liebe Grüße, Simone

    1. Hallo Simone,

      danke für deinen Kommentar.
      Ja, ich denke der Spaß und die Freude an den Aktivitäten sind immer das Wichtigste.
      Und eben die Mischung – Zeit zum Spielen, Zeit für Freunde und auch Zeit für Kurse!

      Liebe Grüße, Kornelia

  2. Hallo Kornelia, was für ein toller Beitrag. Ich seh das ganz so wie du. Spielen ist mir wichtiger als Englisch im Kindergarten. Nun gut, meine Große ist ja auch erst 15 Monate alt. Aber auch im ersten Jahr habe ich kaum Kurse gemacht. Wir hatten einen Eltern-Kind-Treff einmal die Woche und das hat ihr gereicht. Was ich deinem Artikel noch hinzufügen würde, ist das Spielen mit Gleichaltrigen. Da gucken sie sich ja auch viel ab und probieren Sachen aus. Zu Sportkursen würde ich sie später aber auch schicken. Bewegung ist super wichtig und sollte nicht zu kurz kommen. Ich denke, die richtige Balance zu finden ist wichtig. Ich bin gespannt auf weitere Artikel in dieser Serie. Liebe Grüße, Anja

  3. Hallo Kornelia, was für ein toller Beitrag. Ich seh das ganz so wie du. Spielen ist mir wichtiger als Englisch im Kindergarten. Nun gut, meine Große ist ja auch erst 15 Monate alt. Aber auch im ersten Jahr habe ich kaum Kurse gemacht. Wir hatten einen Eltern-Kind-Treff einmal die Woche und das hat ihr gereicht. Was ich deinem Artikel noch hinzufügen würde, ist das Spielen mit Gleichaltrigen. Da gucken sie sich ja auch viel ab und probieren Sachen aus. Zu Sportkursen würde ich sie später aber auch schicken. Bewegung ist super wichtig und sollte nicht zu kurz kommen. Ich denke, die richtige Balance zu finden ist wichtig. Ich bin gespannt auf weitere Artikel in dieser Serie. Liebe Grüße, Anja

    1. Hallo Anja.
      Danke für deinen Kommentar, es freut mich, dass dir der Beitrag gefällt. Ich habe so mit eineinhalb angefangen Kinderturnen und Eltern-Kind-Musizieren mit dem Wurzelinchen zu besuchen – damit sie Kontakt zu anderen Kindern bekommt und auch für mich war es nett raus und unter andere Mütter zu kommen.
      Als sie dann mit dem Kindergarten begonnen hat, habe ich keine Kurse mehr besucht, weil ihr das Angebot am Vormittag echt gereicht hat.
      Auch heuer (ihr 2. Kindergartenjahr) machen wir nichts zusätzliches. Vielleicht nächstes Jahr. Wie du sagst, Sportkurse – wegen der Bewegung – sind schon eine feine Sache.
      Ich habe mit 6 begonnen ein Musikinstrument zu spielen – es würde mich freuen wenn das Wurzelinchen das auch mag.

      Die Balance macht es aus!! So ist es!!
      Ich wünsche euch eine schöne Osterwoche!!

      Liebe Grüße, Kornelia

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