Kinesiologie? – Was ist das und wie kann sie dir helfen? – Ein Interview mit dem Kinesiologen Christian Kolb + eine hilfreiche Übung zum Ausprobieren

Ich selbst habe die Kinesiologie während meiner musikalischen Ausbildung kennengelernt, da sie ein gutes Arbeitsweise ist um die Konzentration zu stärken und um Lampenfieber in den Griff zu bekommen. Doch auch bei einer Vielzahl anderer Probleme bietet die Kinesiologie Hilfestellungen und Lösungen an.

Vor kurzem habe ich den Kinesiologen Christian Kolb kennen gelernt und mich sehr gefreut, dass er uns in diesem Interview mehr zur Kinesiologie und zu seiner Arbeitsweise erzählt.

Was genau ist Kinesiologie – wie würdest du das für „Laien“ in wenigen Sätzen erklären?

Kinesiologie ist die „Lehre der Bewegung“. Und um Bewegungen zu machen, brauchen wir Muskeln. Wir können unsere Muskeln ganz gezielt (also bewusst) bewegen, z.B. wenn wir nach einer Tasse Tee greifen wollen. Aber manchmal arbeiten unsere Muskeln auch automatisch, ohne unser bewusstes Zutun (z.B.: Wir zucken zurück, wenn wir uns am Herd brennen. Oder wenn wir in einer Situation eine Lebensgefahr sehen, dann rennen wir ohne viel zu denken weg. Alles beruht auf Muskelarbeit.

Aber auch Denken und Lernen ist Muskelarbeit, denn unser Gehirn ist nichts anderes als ein Muskel, den man trainieren kann. Wenn wir Emotionen zeigen (Lachen, Weinen usw.) brauchen wir auch Muskeln. Das heißt, auf jeden äußeren oder inneren Reiz (z.B. der Gedanke an eine bestimmte Person oder Situation, das Vorstellen eines bis jetzt unerreichten Zieles oder auch das Aussprechen be­stimmter Sätze, reagiert unser Körper.

 

Womit arbeitet die Kinesiologie? Was wird bei einer Kinesiologischen Sitzung gemacht?

Das Werkzeug der Kinesiologie ist der Muskeltest. Mit ihm können körperliche, geistige und seelische Energien durch eine Muskelreaktion sichtbar ge­macht werden.

D.h.: Denkst du an eine bestimmte Person, die du nicht magst bzw. die dich stresst oder denkst du an die Arbeit oder Schule oder auch an eine Situation, die dir Angst macht oder in der du zweifelst, zeigt sich dies durch eine Muskelreaktion.

Und um diese Muskelreaktion zu erkennen, wird auf einen oder mehrere Muskeln ein sanfter Druck ausgeübt.

Stresst dich z.B. der Gedanke, dann zeigt sich dies durch einen „schwachen“ Muskel (er kann dem Druck nicht standhalten, er lässt sich nach unten drücken – wir sind also aus unserem energetischen Gleichgewicht). Macht die Situation nichts mit dir, also stresst sie dich nicht, dann ist der Muskel „stark“, er hält und lässt sich nicht nach unten drücken. Neben dem kinesiologischen Muskeltest gibt es auch noch den Armlängenreflextest, welcher gleiche Informationen liefert, aber bei welchem jegliche bewusste Einflussnahme ausgeschlossen ist.

 

Nun denkt man: „Naja, ob mich etwas stresst oder mir etwas gut tut weiß ich auch so, da brauche ich nicht die Kinesiologie“!

Das stimmt nur zum Teil, den einen großen Anteil unseres Denkens und Handelns macht der unbewusste Anteil aus. Und genau diesen Anteil können wir nur schwer beeinflussen bzw. beeinflusst er uns in unserem Leben am stärksten. Das Unbewusste denkt anders als unser Bewusstes. Und um herauszufinden „wie es denkt“, nutzen wir eben die Kinesiologie mit dem Muskeltest. Das Tolle daran ist aber auch, dass wir mit der Kinesiologie und dem Muskeltest herausfinden können, wie wir wieder in unser Gleichgewicht kommen – also was wir tun müssen!

Um wieder ins Gleichgewicht zu kommen werden zum Beispiel bestimmte aus der Akupunktur- und Meridianlehre be­kannte Punkte berührt oder be­klopft, Körper- oder Augenbewe­gungen durchgeführt. Aber auch mit Farbrillen, Affirmationen (Sätze), Tex­ten, Essenzen oder Musik kann ge­arbeitet werden.

 

Wo kommt die Kinesiologie her oder wer hat sie „erfunden“?

Bereits vor 2000 Jahren hat Hippokrates (ein griechischer Arzt) den Muskeltest angewendet, aber erst seit ca. 60 Jahren hat die Kinesiologie mehr Bedeutung gewonnen. Es gibt eigentlich gar keinen „richtigen Erfinder“, denn es gibt sehr viele unterschiedliche kinesiologische Fachrichtungen bzw. Bereiche. So heißen diese dann z.B.: „Angewandte Kinesiologie“ oder „Psycho-Kinesiologie“. Oder man nennt sie dann „Touch for Health – Gesund durch Berührung“ oder auch „Brain Gym®“. Und jede Fachrichtung hat wieder einen eigenen Begründer bzw. Erfinder und auch unterschiedliche Ziele und Arbeitsweisen…

 

Was sind die Unterschiede zwischen Brain Gym® und der Meridianklopftechnik?

Brain Gym® ist eine Kinesiologiemethode, die man „Lernen durch Bewegung“ nennen kann. Sie umfasst 26 Übungen (plus ein paar mehr, weil ich im Laufe der Zeit und der Erfahrung auch noch andere wirksame Übungen gefunden habe, welche ich gerne verwende).

So gibt es Übungen, die unsere beiden Gehirnhälften wieder besser zusammenarbeiten lassen (beide haben unterschiedliche Aufgaben), es gibt aber auch Übungen, um wieder den richtigen Energiefluss herzustellen (oftmals ist er verkehrt – auch bei mir manchmal – und dann wird z.B. für unser unbewusstes ein „JA“ zu einem „NEIN“ oder wir biegen nach links ab, obwohl wir nach rechts abbiegen wollten).

Andere Übungen im Brain Gym® haben mit der allgemeinen Muskelanspannung in Stresssituationen zu tun, denn wenn wir dauernd unter Stress sind, ziehen sich v.a. Muskeln an der Hinterseite des Körpers und in den Beinen zusammen. Denn bei Stress wollen wir nicht mehr „nach vorne gehen“ sondern eher flüchten. Und wir können unserem „System“ wieder lernen, Stress richtig zu bewerten, um so auch in solchen Situationen auf unser gesamtes Wissen und Potential vertrauen und zurückgreifen zu können. Und das ist ja besser als ständig aus einer eigentlich nicht „gefährlichen Situation“ zu flüchten, oder?

In Brain Gym® wird wieder mit dem Muskeltest gearbeitet, denn ich brauche zur Erreichung eines bestimmten Ziels nur bestimmte Übungen (für einen bestimmten Problembereich). Diese werden mit dem Muskeltest ausgetestet.

 

Beim „Meridianklopfen“ werden verschiedene Punkte auf unserem Körper, welche auf den Meridianen (=Energieleitbahnen) liegen, beklopft, während man sich auf ein starkes und belastendes Gefühl konzentriert oder während man ganz einfach seine belastenden Gedanken zu einem bestimmten Problem ausspricht. Bis jetzt ist mir noch keine andere und effektivere Methode bekannt. Also, wenn man z.B. große Ängste und Zweifel hat, man immer wieder denkt, nicht gut genug zu sein, die ganzen Aufgaben nicht schaffen kann, immer wieder alles nachkontrollieren muss, bevor man es dann wirklich tut, von einer Person oder deren Verhalten gestresst ist oder ein Erlebnis von früher immer wieder auftaucht, dann ist „Klopfen“ angesagt!

Kurz zusammengefasst:

Das Werkzeug der Kinesiologie ist der Muskeltest. Mit ihm wird ausgetestet, was dich belastet bzw. stresst aber auch um rauszufinden, was du brauchst, um diese Belastung/Stress loszuwerden. Die Methoden zur Korrektur (Balance) sind z.B. das Meridianklopfen oder die Übungen aus BrainGym®. Es kann aber auch sein, dass wir den Muskeltest gar nicht benötigen, weil du dich „selbst gut spüren kannst“ – das haben viele von uns nur leider verlernt!

 

Wie bist du zur Kinesiologie gekommen?

Eigentlich durch meine Cranio-Sakral Therapeutin Alexandra Sorger in Irdning. Irgendwann vor ca. 3 Jahren hat sie mir einmal gesagt „Weißt du was gut zu dir passen würde? – Kinesiologie“.

Ich bin dann nach Hause gefahren und habe den Begriff im Internet gesucht. Nach ca. 2 Minuten habe ich alle Seiten zugemacht mit dem Gedanken: „So ein Blödsinn“. Und irgendwann kam dieser Gedanke an die Kinesiologie wieder. Also wieder zum PC, Informationen gesucht und siehe da: Auf einmal war die Interesse da – und zwar eine sehr große. „Alles zu seiner Zeit!“ dachte ich mir dann. Und vielleicht war ich damals auch noch gar nicht bereit für die Kinesiologie, denn man muss als Kinesiologe selbst sehr klar im Denken und im Kopf sein. Man darf die Arbeit nicht unterschätzen, sie ist anstrengend und „saugt“ auch Energie!

 

Was fasziniert dich besonders daran?

An der Kinesiologie selbst fasziniert mich die Lösungsorientiertheit, denn bei „richtiger“ kinesiologischer Arbeitsweise gibt es nicht viele Umwege, um ein Problem zu lösen. Und außerdem zeigt sich manchmal ein Lösungsansatz, auf den man bewusst nie gekommen wäre.

An den Klopftechniken finde ich die Einfachheit der meisten Techniken traumhaft. Ich kann sie jedem lernen und jeder kann sie erlernen. Und sie hilft wirklich fast überall! Und wer sie länger anwendet wird merken, dass sich Vieles im Leben ändert. Man wird ruhiger, steht immer mehr mit beiden Beinen im Leben, lernt mit Emotionen und Problemen umzugehen, kann leichter Entscheidungen treffen UND: Man lernt, sich selbst zu akzeptieren, zu lieben oder sich für „in Ordnung“ zu befinden und zwar trotz allen „Problemchen“, die man so hat. Das muss man einfach selbst ausprobieren und erleben – je früher umso besser, also am besten schon im Kindesalter.

 

Wobei kann Kinesiologie und auch die Klopftechniken helfen?

Ui, bei so Vielem. Ich verweise jetzt ganz einfach `mal auf meine Homepage, dort habe ich zu Brain Gym® und zum Meridianklopfen einige Bereiche angeführt.

BrainGym® z.B. bei Vergesslichkeit, mangelnder Hand-Augen-Koordination, Lese- und Schreibschwächen, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefizite, Links/Rechts Probleme usw.

Meridianklopfen v.a. bei belastenden Denkweisen und Emotionen, Unwohlsein, Gemütsschwankungen, Gefühlschaos, Schlafproblemen, ständige negative Gedanken, Prüfungs- und Alltagsstress, Lampenfieber, Problemen in der Schule sowie im Alltag und im Berufsleben. usw.

Oder anders gesagt: Wenn irgendwas in „deinem System“ nicht so ist oder läuft wie du das willst, dann denke an Kinesiologie und die Klopftechniken beim Kolb !!

 

Und wem kann deine Arbeit helfen? Für wen ist sie geeignet?

Kurz gesagt: Vom Kind bis zum Greis, vom „manuellen“ Arbeiter bis zum Angestellten in Leitungsfunktion… Egal welches Geschlecht, welcher Beruf, ob Kind oder Elternteil…

 

Kannst du uns eine Übung verraten die man auch ganz einfach zu Hause machen kann – vielleicht eine zur besseren Konzentration?

Da gibt es viele, aber eine sehr beruhigende nennt sich Hook-ups (manche nennen sie auch Achterfigur oder Überkreuzsitz). Man kann sie im Stehen, Liegen oder im Sitzen machen (also auch im Bett – so wie ich wenn ich nicht schlafen kann).

Funktioniert so: Die Position der Arme und Beine sollte angenehm sein.

  1. Zuerst wird der linke Knöchel über den rechten Knöchel gelegt (also das linke Bein über das rechte).
  2. Dann werden die Arme nach vorne gestreckt, die rechte Hand über die linke Hand gelegt und die Hände/Finger verschränkt.
  3. Dann werden die Arme zum Körper geführt.
  4. Man kann nun die Augen schließen und man sollte jetzt auf seine Atmung achten. Beim Einatmen sollte man die Zunge auf den hinteren Gaumen drücken, beim Ausatmen löst sich die Zunge wieder vom Gaumen. Während der Übung kann man sich eine ausbalancierte Waage vorstellen oder man sagt sich innerlich das Wort „Balance“.
  5. Das macht man nun ca. 30 Sekunden bis 2 Minuten.
  6. Dann wechselt man die Beine (also rechtes über linkes) und die Arme (linken über rechten) und atmet wieder wie unter Pkt. 4 beschrieben. Wieder ca. 30 Sekunden bis 2 Minuten.
  7. Zu Abschluss setzt man sich wieder normal und aufrecht hin (Arme und Beine nicht überkreuzt) und nun werden die Fingerspitzen locker und sanft berührt (Daumen an Daumen, Zeigefinger an Zeigefinger usw.) während die Ellenbogen seitlich am Körper anliegen. Man atmet wieder wie unter Pkt. 4 und konzentriert sich auf die Hände, wie sie links und rechts „eigentlich gleich“ sind und jetzt wird man merken, dass man an den Fingerspitzen irgendwann ein Pulsieren spürt…

Sollte dann ca. so aussehen! Viel Spaß dabei!

Kinesiologische Übung Überkreuzsietz

 

 

Lieber Christian, herzlichen Dank für das Interview!

 

Christian Kolb Kinesiologe

Christian Kolb ist Kinesiologe in Irdning. Für nähere Informationen zu seiner Person und zu seinen kinesiologischen Arbeitsweisen, aber auch zur Terminvereinbarung schaut doch auf seiner Webseite https://christian-kolb.at vorbei.

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