Die taktile Wahrnehmung – der Tastsinn

Taktile Wahrnehmung Tastsinn Fühlen

„Die taktile Kommunikation ist die erste Sprache des Kindes.“ Für Säuglinge ist der Haut- und Körperkontakt immens wichtig. Sie wollen gehalten, gestreichelt und liebkost werden. Berührungen und Gehalten Werden vermittelt Kindern Sicherheit.

Etwas später beginnen Kinder Dinge zu be“greifen“ – das ist nicht immer einfach und allzu oft sagen wir Erwachsenen „Nein, greif das nicht an.“ „Nein, Finger weg.“ … Manchmal natürlich aus gutem Grund – manchmal auch ohne ganz so gute Gründe. Und mal ehrlich – auch wir Erwachsenen haben öfter einmal das Bedürfnis etwas nicht nur anzuschauen, sondern auch zu berühren.

Die Haut

Die Haut ist unser größtes Organ, sie umhüllt uns und grenzt unser „Innen“ und „Außen“ ab. Sie hat viele Funktionen:

  • Schutzfunktion (gegen Verletzungen, Strahlen, …)
  • regelt unseren Wärmehaushalt
  • reguliert auch unseren Stoffwechsel (durch Abgabe von Schlacken durch die Schweißdrüsen)
  • Atmungsorgan
  • wichtiges Sinnesorgan

Die Hautoberfläche hat unglaublich viele Rezeptoren um Reize (Temperatur, Schmerz, Druck, Zug, …) wahrzunehmen. Ungefähr 50 solcher Rezeptoren sitzen auf 100 Quadratmillimeter Haut.

Gleich unter der Haut sitzen Tastkörperchen. Das sind empfindliche Nervenzellen, die durch leichtesten Druck hin sofort Signale ans Gehirn schicken. Dort wird erkannt woher das Signal kommt und wie stark es ist. Zwischen 7 und 135 solcher Tastkörperchen sitzen auf einem Quadratzentimeter Haut. Die meisten befinden an Handtellern, Fingerspitzen und Fußsohlen, die wenigsten am Rücken.

Bereiche der taktilen Wahrnehmung:

  • Berührungswahrnehmung: Erfahren des passiven „Berührt Werdens“
  • Erkundungswahrnehmung: Das aktive Erkunden von z.B. Gegenständen in Bezug auf Oberfläche, Maße, Formen, … Um herauszufinden ob ein Gegenstand hart oder weich ist muss ich ihn drücken. Das ist bereits die kinästhetische Wahrnehmung – der Kraftsinn.
  • Temperaturwahrnehmung
  • Schmerzwahrnehmung

Im Bereich der taktilen Wahrnehmung sind die Hände unser wichtigstes Werkzeug, unser wichtigstes Sinnesorgan. Besonders stark wird uns dies erst bewusst wenn wir den Sehsinn ausschalten (Augen schließen) – dann fühlen wir intensiver.

Bei Babys und Kleinkindern übernimmt der Mund noch wichtige Aspekte der Erkundungswahrnehmung.

Tastspiele:

Wie beiden Hör-Spielen wird auch das Tasten als intensiver erlebt wenn die Augen geschlossen sind.

Rückenbilder: 2 Kinder/ein Erwachsener und ein Kind sitzen hintereinander – einer zeichnet dem anderen ein einfaches Bild auf den Rücken (Herz, Blume, …). Der anderen soll das Bild erraten.

Massagegeschichten: Pizzabacken (Teig kneten, mit Wasser besprenkeln, kneten, mehr Mehl einstauben, Teig ausrollen, Ecken ausstreichen, belegen). Das Kind liegt auf dem Bauch, der Erwachsene macht mit den Händen die Tätigkeiten am Rücken des Kinders nach.

Geschichten mit Tieren – diese trippeln, stampfen, schleichen, gleiten, … über den Rücken.

Gewittergeschichte

Massage mit dem Igelball

Bällebad/Kastaninewanne

Taststraße mit unterschiedlichen Fußbodenbelägen

Igel-Halbkugeln zum Ertasten mit den Fußsohlen

Tastbilder kreieren – die Kinder kleben verschiedene Materialien (Felle, Watte, Schleifpapier, Knöpfe, Stoffe, Wellpappe, Moosgummi, Leder, Samt, …) auf einen festen Karton. Besonders auf Kontraste achten.

Tastkiste: ein Loch in einen Schuhkarton schneiden – so groß, dass eine  Hand durchpasst. Hintern verschiedenen Dinge hineinlegen. Ein Kind greift hinein und muss erraten welche Dinge sich in der Schachtel befinden.

Tastmemory (siehe „Sinnesspiele selbst gemacht“)

Tastsäckchen (siehe „Sinnesspiele selbst gemacht“)

Tasteule (siehe „Sinnesspiele selbst gemacht“)

Gegenstände unter eine Decke erkennen

Formen ertasten: Sandspielzeug und Keksausstechformen eigenen sich dafür.

Arbeiten mit Knetmasse, Pappmaschee und Ton.

Wasserspiele

Schaumspiele (Rasierschaum)

Spiele mit Eiswürfeln

Quellen: Zimmer, Renate. 2005. „Handbuch zur Förderung der Sinneswahrnehmung. Grundlagen einer ganzheitlichen Bildung und Erziehung.“ Herder.

www.kindergarten-homepage.de/spiele/sinne.html

Weitere Wahnehmungsbereiche:

Die visuelle Wahrnehmung – der Sehsinn

Die auditive Wahrnehmung – das Hören

Sinnesspiele – Sehen und Hören

Die Kinästhetische Wahrnehmung – der Bewegungs-, Kraft- und Stellungssinn

Sinnesspiele – Tasten, Fühlen und Bewegen

Die vestibuläre Wahrnehmung – das Gleichgewicht

Die olfaktorische Wahrnehmung – der Geruchssinn

Die gustatorische Wahrnehmung – der Geschmackssinn

Was dein Baby im Mutterleib schon alles wahrnimmt 

10 Pings

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